In ihrem Gruppenbild „Ida Dehmel und ihre Weggefährten“ (2012) zeigt die Künstlerin Mona Wolfs die Anfänge der Gedok: Gretchen Wohlwill sitzt an der Staffelei, Ida Dehmel wird porträtiert, die Zweite von rechts ist Anita Rée. Das Aquarell hängt heute im Landesbüro der Gedok in Hamburg. © Mona Wolfs / GEDOK Hamburg
Die GEDOK – Ein Netzwerk, lange vor LinkedIn
| Die Gedok ist die größte Vereinigung für Künstlerinnen in Europa. Vor 100 Jahren wurde sie von Ida Dehmel gegründet. Zwei Ausstellungen in Hamburg feiern das Jubiläum. |
Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Helene Altgel
Der ernste Blick der Frau richtet sich nach oben, fällt auf eine abstrakte silberne Konstruktion mit Space-Optik unter der Decke des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Ida Dehmel, die ernste Frau, kann die Ausstellung nicht mehr miterleben, die ihr Lebenswerk feiert, denn sie starb 1942. Aber sie ist selbst Teil eines der Kunstwerke, die hier gezeigt werden, ihr Gesicht wurde dafür von der Künstlerin Eugenia Jäger schwarz-weiß in einen Siebdruck gebannt.
Vor 100 Jahren hat Ida Dehmel in Hamburg die Gedok gegründet, kurz für »Gemeinschaft deutscher und oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen«. Hier vernetzten sich bildende Künstlerinnen wie Anita Rée und Käthe Kollwitz mit Schriftstellerinnen wie Ricarda Huch und Else Lasker-Schüler; die Schauspielerin Ida Ehre traf auf die Komponistin Alice Samter. Heute ist die Gedok der älteste und mit knapp 2.800 Mitgliedern europaweit größte Verbund für Künstlerinnen aller Disziplinen. Das hundertjährige Bestehen würdigen gleich zwei neue Ausstellungen in Hamburg: Im Museum für Kunst und Gewerbe sind unter dem Titel Künste – Frauen – Netzwerk die Werke von 16 aktuellen Künstlerinnen zu sehen. Die Gedok Hamburg, eine von insgesamt 23 Regionalgruppen, präsentiert zeitgleich in ihrer Galerie in St. Georg Beiträge von 70 Mitgliedern, diese Ausstellung heißt … da blüht uns was!.
Als Ida Dehmel die Gedok gründete, wurden Künstlerinnen kaum ernst genommen und teils als »Malweiber« verunglimpft. Zwar wurden Frauen damals nach und nach an Kunstgewerbeschulen und Kunstakademien zugelassen. Dennoch galten für sie andere Regeln als für Männer, selbst an fortschrittlichen Orten wie dem Bauhaus in Weimar: Viele Frauen durften dort nicht ihr Wunschfach aufnehmen, sondern wurden in eine Frauenklasse in der Textilwerkstatt einsortiert. »Wo Wolle ist, ist auch ein Weib, das webt, und sei es nur zum Zeitvertreib«, dichtete Oskar Schlemmer, einer der Meister am Bauhaus, despektierlich.
Umso wichtiger war die Vernetzung untereinander, und so sprossen ab Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Frauenklubs aus dem Boden.
Die Blütezeit von Frauenklubs wie der Gedok währte nur kurz. 1933 stürmte die SA eine Vorstandssitzung, Dehmel war Jüdin. Was dann geschah und ob die Gedok heute noch relevant ist, lesen Sie in der vollständigen Fassung auf zeit.de.
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